Kölnische Rundschau vom 17.01.2018 – von Michael Fiedler-Heinen und Frank Klemmer

Wenn der Sonderparteitag der SPD am Sonntag in Bonn über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU entscheidet, werden auch zwei Frauen aus Oberberg mit abstimmen: die Reichshoferin Susanne Maaß als Delegierte der oberbergischen Sozialdemokraten sowie die frühere Bundestagsabgeordnete Michaela Engelmeier.

Trotz aller Kritik aus der oberbergischen SPD am Sondierungsergebnis ist Susanne Maaß, zudem auch stellvertretende Reichshofer Bürgermeisterin, noch unentschieden, wie sie sich auf dem Parteitag verhalten wird. „Ich möchte die Diskussion abwarten“, sagt sie. Aus ihren persönlichen Vorbehalten gegen eine weitere Neuauflage der großen Koalition macht Maaß aber keinen Hehl. Sie hofft auf einen Antrag beim Parteitag in Bonn: Die Basis der SPD sollte schon über eine Aufnahme von Koalitionsverhandlungen entscheiden und nicht erst – wie bisher geplant – über das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen.

„In den Ortsvereinen rumort es gewaltig“, hat Maaß festgestellt. Es gebe erhebliche Vorbehalte gegen eine Abkehr von dem Nein nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse. Die SPD müsse stärker auf die „kleinen Leute“ hören und ihre Politik auf die „einfachen Menschen“ ausrichten, davon sei in dem Sondierungspapier nichts Wesentliches erkennbar. Eine Mitgliederbefragung sei der sauberste Weg, denn erfahrungsgemäß habe sich die Parteiführung stets an die Voten der Mitglieder gehalten.

Maaß ist nicht die einzige Delegierte aus Oberberg in Bonn. Auch der Kreisvorsitzende Thorsten Konzelmann reist in die Bundesstadt, allerdings ohne Stimmrecht. „Das ergibt sich aus dem Delegiertenschlüssel“, erklärt Konzelmann, der sich deshalb mit Maaß abwechselt: Beim Parteitag in Berlin, der den Start der Sondierung beschlossen hatte, stimmte Konzelmann ab, jetzt in Bonn die Reichshoferin.

Konzelmann, der am Samstag an einem Treffen der Kreisverbandsvorsitzenden in Duisburg teilgenommen hat und am Dienstagabend zu einer Vorbesprechung der Delegierten mit Maaß nach Düsseldorf reiste, ist gespannt, was am Sonntag in Bonn passiert: „In Duisburg war die große Mehrheit ähnlich kritisch wie wir.“ Vorher wollen die Sozialdemokraten noch einmal mit der Basis diskutieren – am Donnerstagabend in Engelskirchen.

Delegiertenschlüssel hin oder her: Mit Michaela Engelmeier hat eine weitere Oberbergerin Stimmrecht – als Mitglied des Bundesvorstandes. An der Sitzung des Vorstandes am Freitag nach den Sondierungen in Berlin hatte sie nicht teilnehmen können. „Ich war am anderen Ende der Welt. Meine erste Reaktion war: Das reicht nicht!“ Nachdem sie sich die Vereinbarung im Einzelnen durchgelesen hatte, sieht sie aber auch die Vorzüge: „Bei der Grundrente zum Beispiel: Da haben wir sogar mehr erreicht als wir selbst in unserem Programm gefordert haben.“

Dennoch bleibt sie vorsichtig: „Ich bin für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen. Wenn sich da aber nichts ändert, würde ich – Stand jetzt – beim Mitgliederentscheid gegen eine Koalition stimmen.“

– Quelle: https://www.rundschau-online.de/29496734 ©2018

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