Die angespannte finanzielle Situation des Mensavereins an der Gesamtschule Reichshof beschäftigte die Mitglieder des Schulausschusses der Gemeinde Reichshof.

„Das wichtigste vorweg: Das Fortbestehen des Mensavereins ist und bleibt in der Sache oberstes Ziel“, nahm Anja Theis, Ratsmitglied, Vorstandsmitglied in der Schulpflegschaft und Mitglied der Schulkonferenz der Gesamtschule Reichshof, im Namen der Reichshofer SPD Stellung. „Denn es ist nicht nur im Schulerlass NRW vorgeschrieben innerhalb einer Ganztagseinrichtung Mahlzeiten zur Verfügung zu stellen, sondern in Zeiten von fortschreitender Anonymisierung, allgemeiner Hektik und hohem Leistungsdruck stellen Mahlzeiten, vor allem wenn sie gemeinsam eingenommen werden, wie in Familie, aber auch an den Schulen, wo unsere Kinder ja einen Großteil ihres Tages verbringen, ein wichtiges kulturelles Gut unserer Gesellschaft dar, dass es unbedingt zu erhalten gilt“.

Anja Theis, Ratsmitglied, Vorstandsmitglied in der Schulpflegschaft und Mitglied der Schulkonferenz der Gesamtschule Reichshof

Anja Theis, Ratsmitglied, Vorstandsmitglied in der Schulpflegschaft und Mitglied der Schulkonferenz der Gesamtschule Reichshof

Die Mensa müsse zum Begegnungsort werden, an dem neben Essen und Trinken das Miteinander eine große Rolle spielt. Dabei müsse das Speisenangebot gleichzeitig schmecken und gesund sein. „Aus diesen Gründen ein klares JA für den Mensaverein!“, so Theis. „Die SPD Reichshof honoriert ausdrücklich die ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder des Mensavereins sowie hieran aller beteiligten Kräfte und sagt: Danke!“

Unbedingt zu erhalten? Ja!
Aber bedingungslos alles akzeptieren? Nein!

Jedes Jahr ist die angespannte finanzielle Situation des Mensavereins Thema in den verschiedenen Gremien von Schule, Verwaltung und Rat. Stets sollen dabei die Probleme allein dadurch gelöst werden, dass entweder die Gemeinde mehr Geld zur Verfügung stellt oder die Eltern der Schüler finanziell mehr belastet werden. So wurden im Schuljahr 2015/2016 die Preise für die Mahlzeiten von 2,70 EUR auf 3,00 EUR erhöht. Ende des letzten Jahres hatte die Gemeinde bereits mit einem Rettungsschirm ausgeholfen. Aktuell liegt ein weiterer Antrag auf Erhöhung des Solidarbeitrags der Eltern, sowie die Einrichtung einer dauerhaften Kofinanzierung durch die Gemeinde vor, um den Fortbestand des Vereins zu sichern.

Stabile und bezahlbare Rahmenbedingungen können jedoch nach Meinung vieler Beteiligter nicht allein dadurch erreicht werden, indem jedes Jahr Beiträge erhöht und Rettungsschirme zu Hilfe genommen werden müssen. Nach Ansicht der SPD bedarf es einer langfristigen, zukunftsorientierten, bedarfsgerechten und von allen akzeptierten Lösung. Immerhin haben fast 1.200 Personen täglich die Möglichkeit eine Mahlzeit in der Mensa einzunehmen. Nutzen tun dies aber nur etwa rund 300 Schüler und Lehrer täglich. Hier müssen durch eine optimierte Angebotsstruktur und weitere Maßnahmen noch einige weitere Gäste dauerhaft hinzugewonnen werden.

Alle Beteiligten sind sich darüber einig, dass dem Mensaverein Hilfestellung geleistet werden muss und die Unterstützungsbereitschaft aller Beteiligten ist dabei unvermindert groß.
Auf Anregung und Vermittlung von Ratsmitglied Anja Theis wurde nun vom Mensaverein und der Schulleitung Kontakt zur Vernetzungsstelle Schulverpflegung NRW aufgenommen. Die Vernetzungsstelle ist Teil des von der Bundesregierung initiierten „Nationalen Aktionsplans IN FORM- Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“. Die Vernetzungsstelle wird bei der Feststellung des IST-Zustands und der sich daraus ergebenen Neukonzeptionierung unterstützen und mit Ihren Fachkräften persönlich vor Ort begleiten. Dabei kann von deren weitreichenden Erfahrungen aus Studien und Beratungspraxis erheblich profitiert werden.

Ein erstes Sondierungsgespräch zwischen der Vernetzungsstelle Schulverpflegung NRW und der Schule hat bereits stattgefunden. Nach einer ersten Analyse haben sich zunächst folgende Punkte ergeben, die nun bereits bis zu den Sommerferien umgesetzt werden sollen:

  • Die Kommunikation zwischen Mensa, Schülern, Lehrern und Eltern wird durch verschiedene Projekte verbessert
  • Die Schüler erhalten mehr Mitsprache bei den Essensplänen (gewähltes Monatsessen, Themenwochen, etc.)
  • Das Essensangebot wird überarbeitet und bedarfsgerechter gestaltet
  • Die Pausenzeiten werden nochmals so verändert, dass die 5. und 6. Klassen in Ruhe essen können
  • Für die 5. und 6. Klassen wird ein gemeinsames pädagogisches Mittagessen eingeführt. Dieses soll verpflichtend sein, wobei die Kinder jedoch die Möglichkeit haben, entweder Essen aus der Mensa zu beziehen oder ihr eigenes Essen mitzubringen. Es wird keine Verpflichtung geben, Mensaessen zu verkosten!
  • Die Öffentlichkeitsarbeit der Mensa wird zusammen mit dem Verein, der Schule, den Eltern und den Schülern verbessert. So soll die Mensa einen eigenen Namen bekommen, monatlich sollen Mitarbeiter (Ehrenamtler) interviewt werden und Bilder der Mitarbeiter sollen aufgehängt werden, um eine Identifikation zu schaffen und die allgemeine Akzeptanz zu erhöhen.
  • Eine Jahrgangsstufe soll jeweils ehrenamtlich in der Mensa mitarbeiten. So soll jeder Schüler im Laufe seines Schullebens auch ehrenamtliche Arbeit kennenlernen.
  • Die Mensa wird farblich und durch neues Mobiliar umgestaltet. Dies soll vor allem durch die Ideen und Mitarbeit der Schüler geschehen.
  • Ein Abo-System zur Vorbestellung der Mahlzeiten soll eingeführt werden.
  • Es wird ein dauerhafter Qualitätszirkel (Schüler, Lehrer, Eltern, Mitarbeiter) installiert, der dauerhaft und ständig alle Maßnahmen und Prozesse prüft und verbessert.
  • Der Focus der Mensa wird mehr auf einem Ort der Begegnung und des Miteinanders gelegt und damit die Schulkultur verbessert.
  • Bereits im Vorfeld der Sondierungsgespräche hatte man sich darauf verständigt, fachliche Unterstützung bei der Analyse der aktuellen betriebswirtschaftlichen Situation einzuholen.

Schulleitung und Mensaverein zeigten sich bereits jetzt begeistert von der guten Beratung durch die Vernetzungsstelle und den ersten konstruktiven Ergebnissen. Fehler der Vergangenheit sollen nun ausgeräumt und die neuen Strukturen und Potenziale besser genutzt werden.

Auf der Grundlage der geplanten Maßnahmen wurde auf der Schulkonferenz nun beschlossen, einen Arbeitskreis zu bilden, der die Einzelheiten der Umsetzung zeitnah bis zur nächsten Sitzung des Schulausschusses am 20.06.2016 klären und abstimmen soll.

„Es sind nun viele Dinge angestoßen worden, der Prozess ist im Gange, das Bewusstsein um die Verantwortung ist geweckt und viele stehen mit Rat und Tat bereit“, so Theis abschließend. „Was nun benötigt wird, ist der Faktor Zeit, um all diese Maßnahmen zu koordinieren und zu einem optimalen Ergebnis führen zu können“.

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